Frühdiagnostik
insieme stellt klare Forderungen an die Verwendung von medizinischen Frühdiagnosen. Sie darf nicht dazu führen, dass der Lebenswert eines behinderten Menschen in Frage gestellt wird.
Die moderne Medizin kann den Gesundheitszustand eines Menschen beurteilen, bevor er geboren ist. Dazu werden zum Beispiel der schwangeren Frau Fruchtwasserproben entnommen und untersucht. Oder es werden durch künstliche Befruchtung entstandene Embryos vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf Erbkrankheiten einem Testverfahren unterzogen. Für Paare, die von schweren Erbkrankheiten betroffen sind und sich ein Kind wünschen, öffnet gerade die zweite Möglichkeit neue Wege. Aber auch andere wollen von dieser Technik Gebrauch machen, wenn es sie schon gibt. Das zeigen die Erfahrungen mit der pränatalen Diagnostik. Diese Untersuchungen, die ursprünglich für Risikopaare vorgesehen waren, kommen heute vielfältig zum Einsatz.
Die Absicht dahinter
Wenn der Embryo oder der Fötus mit der Absicht untersucht wird, frühzeitig therapeutische Massnahmen zu ergreifen oder die Geburt gut vorzubereiten, ist das weiter nicht bedenklich. Ethisch problematisch wird es aber dann, wenn von Anfang an die Absicht besteht, die Geburt eines kranken oder behinderten Kindes zu verhindern. In diesem Fall wird Menschenleben nach vorgefasstem Urteil ausgewählt und über seinen Wert entschieden. Das Existenzrecht eines Menschen mit einer vorgeburtlich diagnostizierbaren Behinderung wird in Frage gestellt.
Gegen eine vorschnelle Selektion, für eine bessere Integration
insieme befürchtet, dass die Selbstverständlichkeit zunimmt, vorgeburtliche Untersuchungen einzusetzen, um Embryos und Föten mit unerwünschten Ausprägungen zu selektionieren. Die ständig verbesserten Techniken und Methoden wecken die Vorstellung, ein behindertes Kind könne so verhindert, ein gesundes Kind ohne Behinderung „garantiert“ werden. Doch mit medizinischen Methoden sind längst nicht alle Schädigungen und Merkmale erkennbar. Der Wunsch, die erkennbaren Beeinträchtigungen auszusortieren, wird oft damit begründet, ein Leben mit genau diesen Beeinträchtigungen sei zwangsläufig ein unwerteres und leidvolleres Leben. Menschen mit einer Behinderung leiden jedoch selten direkt unter ihren eingeschränkten Fähigkeiten. Was sie zu „Behinderten“ macht, sind die vielen Hindernisse im Alltag und Werte und Vorurteile, die ihnen ein glückliches Leben absprechen.
Gleichbehandlung und Respekt insbesondere gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung sind noch nicht überall gesellschaftlich verfestigt. Wäre dies so, würde die Motivation zu selektionieren automatisch zurückgehen. insieme will deswegen das Verständnis für Menschen mit geistiger Behinderung stärken und stellt an die Verwendung vorgeburtlicher Untersuchungen klare Forderungen (vgl. Subrubriken). Diese Forderungen trägt insieme in Hearings oder vertritt sie in den Vernehmlassungen zu Gesetzesvorlagen. Das Positionspapier „Ethische Grundaussagen zur Biomedizin“ erläutert die Grundhaltung von insieme.
Pränataldiagnostik
insieme fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit pränataler Diagnostik. Dazu gehört, dass jede pränatale Diagnostik von einer guten Beratung begleitet ist.
Präimplantationsdiagnostik
insieme hat grosse Bedenken gegenüber der Präimplantationsdiagnostik. Es handelt sich um eine ausschliesslich selektive Methode. Eine Legalisierung sollte nur unter strengen Bedingungen erfolgen.